Harlan in Borchen

Fotos des Büros und der Kleintierzucht in Borchen ansehen

Dokumente

Lieferscheine, Preislisten ... Dokumentation des Handels weiter

Tiere per Katalog

Blick in die Hochglanz-Broschüren und Kataloge mit denen Harlan wirbt ansehen

Hundezucht

800 Hunde in Betonzwingern: Bilder aus der Hundezucht in Alfen weiter

Versuche

Versuchsbeispiele, in denen Tiere von H.-Winkelmann verwendet werden weiter

Harlan UK undercover

Zehn Monate arbeitete Jane als Tierpflegerin bei Harlan UK. Sie deckte Unglaubliches auf weiter

Besichtigung von Harlan

'Menschen für Tierrechte' besichtigten die Hundezucht in Alfen weiter

"making a killing"

Undercover-Recherche in Auftrag der BUAV bei Harlan UK (englische Webseite)



Ferienjob bei Harlan

Einblicke: Alltägliches aus der „Versuchstier“industrie

(erschienen in: Tierbefreiung - das aktuelle Tierrechtsmagazin, Heft 55)

Es gibt Dinge, die sind, unabhängig von ihrem Nutzen für andere, moralisch absolut verwerflich. Tierversuche gehören zu diesen Dingen. Die Andersartigkeit, das „nicht-Mensch-sein“, als Kriterium für einen Wertunterschied anzusetzen, Tiere zu instrumentalisieren, beliebig zu nutzen und anschließend im Müll zu entsorgen ist ein Verbrechen. Nur weil jemand anders ist, ist er deshalb nicht weniger wert! Nun werden Tiere in unserer Gesellschaft jedoch erst gar nicht als jemand, also als lebendige Subjekte, sondern als etwas, als leblose Objekte, wahrgenommen. Dass diese Entindividualisierung der anderen Tiere überhaupt tagtäglich möglich ist, liegt sicherlich nicht zuletzt am „sturen Mittun der Massen“, was der Philosoph Max Horkheimer als eine Gemeinsamkeit totalitärer Systeme ausmachte. Die Menschen beteiligen sich an dem, was ohnehin geschieht. Es ist normal und ihr handeln ist Normalität. Um diesen ganz normalen Alltag im Umgang mit sog. Versuchstieren zu verdeutlichen, sprach die TIERBEFREIUNG mit zwei Menschen, die selbst in der Tierversuchsindustrie tätig waren.


Lisa* hat vor einigen Jahren in der Versuchstierzucht Harlan-Winkelmann in Borchen als Ferienvertretung gearbeitet. Sie versucht das, was sie damals gesehen und erlebt hat, zu verdrängen. Obwohl ihre Tätigkeit schon einige Jahre zurückliegt, gelingt es ihr offensichtlich nicht. Mehrfach steigen ihr während des Gespräches Tränen in die Augen. „Ich schämte mich damals für den Job.“ Lisa ist keine Tierrechtlerin. Sie lebt jedoch vegetarisch. Ihre Motivation mit uns zu sprechen ist Mitleid. „Das Leiden der Tiere und die ekelhafte Unterbringung, sowie die Grobheit und ‚Abgestumpftheit’ der Mitarbeiter machten mir sehr zu schaffen. Die Öffentlichkeit soll erfahren, unter was für Bedingungen die Tiere in dieser Firma leben!“

Bei ihrem ersten Aushilfsjob arbeitete sie in der Abteilung „Meerschweinchenzucht und Verkauf“. Zu ihren Aufgaben gehörte laut Arbeitsvertrag die „Fütterung, Pflege und Wartung der Tiere“. Die Abteilung unterliegt der höchsten Sicherheitsstufe; es dürfen keinerlei Bakterien in den Raum dringen. Ihr Arbeitstag begann um 6 Uhr und endete um 15:30 Uhr. Um Zugang zum Gebäude zu bekommen, musste eine Karte durch einen Scanner gezogen werden. Anschließend musste sie sich desinfizieren, d.h. komplett entkleiden und duschen. Ohne Dusche gab es keinen Zutritt zu den Räume. Nachdem sie sterile Kleidung, einschließlich neuer Unterwäsche, Haube und Gummistiefel angezogen hatte, konnte sie die Zucht betreten. „Starker Lärm“, verursacht von den Hunderten von Meerschweinchen, „Gestank und verängstigte Tiere“ in weißen Acrylbadewannen, in mehreren Reihen bis unter die Decke übereinander gestapelt – willkommen in der Meerschweinchenzucht. Nacktmeerschweinchen, an deren Körper nur vereinzelt Haarbüschel zu sehen waren, saßen, vollkommen verängstigt durch den Stress und abgeschirmt von der Außenwelt, in ihren Behältern. Etwa acht Tiere waren in einer Wanne untergebracht. Durch ein Loch in der Wannenwand erreichten sie eine Futtermulde. Lisa schildert einen Fall von Kannibalismus, bei dem ein Meerschweinchen mit dem Kopf in dem Loch feststeckte. Bereits grünlich gefärbt und von anderen Tieren angefressen fand sie das tote Meerschweinchen. Es wurde im Müll entsorgt. Durch die hohe Anzahl an Tieren bzw. Wannen kam es immer wieder vor, das Tiere nicht gefüttert wurden. Zu all dem kam der scharfe, beißende Geruch des Desinfektionsreinigers. Die Isolationshaltung bei künstlichem Licht in den vollkommen sterilen Räumen war das bedrückendste für Lisa. Hinzu kam die Einstellung der Arbeiter. Diese Menschen sahen keine leidensfähigen Lebewesen, sondern nur die Ware, die verpackt und verschickt werden musste. Harlan liefert täglich ins gesamte Bundesgebiet.

„Stell dich nicht so an“

Das sie hier nicht arbeiten wollte, war ihr sofort klar. Umso erschreckender die Reaktionen aus ihrem privaten Umfeld. „Sei froh, dass du einen Job hast“, „Andere wären froh, sich etwas nebenbei verdienen zu können“, „Da musst du jetzt durch. Stell dich nicht so an“ und ähnliches bekam sie von ihren Eltern zu hören. Durch die Eltern war sie überhaupt erst an die Aushilfsstelle gekommen. Dieses vollkommene Unverständnis, dass ihr keiner wirklich zugehört und ihre Gefühle und Gedanken über diese Tätigkeit ernstgenommen hat, belastet sie damals wie heute. Mit dem Thema Tierversuche war die damals 16-jährige zuvor nicht in Berührung gekommen. Sie fühlte sich „vollkommen allein mit ihren Eindrücken“.

Ein Jahr später arbeitete sie erneut als Ferienvertretung bei Harlan. Diesmal, wie sie sagt, gegen ihren Willen und nur auf Druck des Elternhauses. Aus dieser Zeit ist ihr besonders der rohe Umgang mit den Mäusen in Erinnerung geblieben. Beim „Abpacken“ der Tiere wurden sie einfach am Beinchen oder Schwanz gepackt und in Kartons geworfen. Die Mäuse wurden in sogenannten Isolatoren gehalten. Mit Handschuhen konnte man in die Isolationsboxen hineingreifen und die Tiere herausholen. Babymäuse wurden direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt. Lisa berichtet, dass es bei zu geringer Nachfrage zu viele Mäuse gab. „Die können wir nicht mehr verkaufen“ wurde ihr gesagt. Die Tiere wurden aus den Isolatoren geholt und auf den Boden gelegt. Ob sie dort verhungerten oder direkt starben konnte sie nicht sagen. Auf die Frage, ob es möglich wäre, die Babymäuse mit nach Haue zu nehmen, bekam sie ein „Nein, das geht auf keinen Fall“ zu hören. Andere Mäuse wurden wiederum mit Schokolade fettgefüttert.

Dass Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen sind, ist für uns TierrechtlerInnen nicht neu. Auch das eine Zucht für sogenannte Versuchstiere ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben wird und die arteigenen Verhaltensweisen, Interessen und Bedürfnisse der Tiere nicht annähernd berücksichtigt werden, ist keine Überraschung. Das eigentlich Erschreckende ist die Selbstverständlichkeit, mit der dies alles geschieht. Es macht deutlich wo unsere Gesellschaft im Umgang mit anderen Tieren steht und wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Mit den TierrechtlerInnen, die draußen vor der Zucht demonstrierten durfte sie keinen Kontakt aufnehmen. Die Geschäftsleitung untersagte MitarbeiterInnen mit den DemonstrantInnen zu sprechen; sie musste bei Demos früher nach Hause gehen. Es war das erste Mal, dass sie überhaupt wahrgenommen hat, dass Menschen sich gegen Ausbeutung anderer Tiere einsetzen. „Was kann man tun“, fragt Lisa am Ende des Gesprächs, „damit diese Firma endlich geschlossen wird?“. Die Zahl von Tierversuchen ist seit Lisas Ferienvertretung auf einen neuen Höchststand geklettert.


* Name wurde geändert. MitarbeiterInnen müssen im Arbeitsvertrag eine Verschwiegensheitspflicht unterschrieben habe, die auch über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus wirkt.

www.tierbefreiung.de